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FOR MEN

Der deutsche Mann leidet! Für Frauen ist das keine neue Erkenntnis, aber für uns Männer ist es eine Katastrophe. Wussten wir doch bisher nicht, daß es so schlimm um uns steht! Ich rede nicht von dem Gejammer, das ertönt, wenn mal eine Erkältung durchlebt werden muß, oder von der Lebenskrise, wenn der Chef wieder dummes Zeug geredet hat (wohl dem, der noch einen Chef hat!). Nein, es geht um die kollektive Verwirrung, wenn es um die eigene Hygiene geht. Ein Blick in die Körperpflege-Abteilung eines Supermarktes beweist: Wir Männer sind verloren, hilflos wie Kleinkinder, wenn man uns keine sicheren, eindeutigen Hinweise darauf gibt, welche Produkte wir aus der schier unendlichen Pflegepalette benutzen können, dürfen, sollen. Ginge es um die Lackpolitur für unser Auto – kein Problem. Aber dann wären wir auch im Baumarkt, und das ist nunmal unser Heimatrevier (»Frau Maier möchte bitte dringend von ihrem Mann in der Gartenabteilung abgeholt werden!«). Doch bei der männlichen Körperpflege besteht die latente Gefahr, sich (ungewollt?) als Tucke zu outen, und das ist bei uns vielerorts immer noch ein Makel (Ausnahme: Köln).

Rettung naht! Seit einiger Zeit kennzeichnen Hersteller von Körperpflegeprodukten, die einem Mann verkauft werden sollen, diese durch den einheitlichen Zusatz »for men«. Schon kommt einem der Gedanke, daß dies möglicherweise die konsequente Umsetzung einer EU-Richtlinie ist (doch wo bleibt die Landessprache?). Auch die Farbpalette scheint vorgegeben: Dominantes dunkelblau ist gestattet, gerne auch Schwarz, dazu ein bisserl hellblau und weiß, aber nur, um farbliche Akzente zu setzen und die Texte lesbar zu machen. Texte? Verheißungen! Perfekt für den geschwächten Mann! Das Produkt »kräftigt von der Wurzel an« lese ich da. Es habe eine »zuverlässige Wirkung« und einen »markant herben Duft«. Gekonnt umgehen die Texter jede Falle, nur um am Ende wieder alles auf's Spiel zu setzen: Der Hinweis auf den »zarten, cremigen Schaum« hat was Tuckiges, zumindest bei einem Rasierschaum »for men« (Gesicht, nicht Beine!). Sagt doch niemand: »Du, mein neuer Rasierschaum ist jetzt noch zarter und cremiger!«. Mein Vorschlag: »angenehm« statt »zart«. Oder besser: einfach weglassen!

Den aufmerksamen Beobachter wundert es ohnehin, daß sich diese Verwirrung derzeit allein auf den Körperpflege-Sektor beschränkt. Anderen Bereichen der Wirtschaft steht diese große Revolution noch bevor. Beispiel Fastfood: Statt des »Big Mäc XXL« gibt es vielleicht bald den »Big Mäc for men«. Das hätte für den (männlichen) Kunden den unschätzbaren Vorteil, daß man umstehende Personen jedwedes Geschlechts sofort unzweideutig vor Ort von der korrekten eigenen sexuellen Orientierung in Kenntnis setzen könnte.

Große Chancen räume ich auch einer Fernsehzeitschrift »for men« ein, die ihre ganz eigenen, Zielgruppen-spezifischen Akzente setzt. Sportschau und Formel 1, Action-Filme und das Nachtprogramm (Wann kommt Ekatarina?) werden ausführlich behandelt (gerne mit Bild!). Der verbleibende Rest – Nachrichtensendungen, Kultur und Seifenopern – wird nur klein und der Vollständigkeit halber gelistet. Für den Fall, daß doch mal eine Frau zu Besuch kommt.




Ihr Kolumnist:
Mark Zanzig
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